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der Veranstaltung Felsenzauber
24. bis 28. September 2014

jeweils 19 bis 23 Uhr  (Einlaß ab Dunkelheit)


Abendkasse ist ab 18.30 Uhr geöffnet

an der Abendkasse erhalten Sie
Ihre genaue Einlaßzeit, so dass Sie
in Ruhe in der Festhalle Musik und
Bewirtung genießen können




Felsenzabuer Giessenbachklamm Kiefersfelden im Kaiser-Reich Ingo Bracke
Der Künstler
Bei einem ersten Besuch war Ingo Bracke (37) sofort begeistert von der Gießenbachklamm: „Solche Orte suche ich - Orte mit magischer Anziehungskraft und Gebrauchsspuren menschlicher Zivilisation.“ Studiert hat der in Saarbrücken lebende Künstler in Hannover. Unmittelbar danach prägte er mit seinen „wolkenhain.aktionen“ seit 2001 nachhaltig u. a. die Kulturlandschaft des Pfälzerwaldes. Dorthin zieht es den Empfänger des Stuttgarter Theaterpreises 2008 zwischen seinen Projekten in Italien, Spanien, Australien und den Niederlanden immer wieder. Ein entscheidender Durchbruch zu internationalem Ansehen war seine Lichtinstallation am Loreley- Felsen zur Eröffnung der Luminale 2008, einem der weltweit führenden Lichtkunstfestivals. Ingo Brackes „Lichtgemälde“ sind geprägt von einer engen Zusammenarbeit mit Künstlern verschiedener Sparten, die wie er Wirklichkeiten andere Ansichten und Farben entlocken wollen. Sein persönliches Wunschziel? „Der Alpsee und ein bayerisches Königsschloss - aber da muss ich mich wohl noch etwas gedulden, “ räumt der Lichtkünstler ein. Nach Arbeiten in München, bei Schloss Maxlrain und jetzt in der Gießenbachklamm in Kiefersfelden rückt er diesem Ziel wohl ein Stück näher. Zu wünschen wäre es ihm...


AUDIOVISUELLE INSTALLATION FÜR DIE
GIEßENBACHKLAMM, KIEFERSFELDEN

Konzeption: Atelier LichtRaumKunst, Ingo Bracke, Dr. Ingeborg Besch

Der Ort:
100 Jahre Gießenbachklamm-Weg- Wasser-Energie- Eine Recherche-
Seit über 500 Jahren wird In Kiefersfelden die Wasserkraft des Kieferbaches und des Gießenbaches genutzt. Waren es zunächst einfache mechanische Apparate, die den Menschen die Arbeit erleichterten, so änderte sich die Wasserkraftnutzung Anfang des 20. Jahrhunderts grundlegend: Die mechanische Kraft des Wassers wurde transformiert in elektrische Energie.
Vor 100 Jahren baute die Gemeinde Kiefersfelden das erste Wasserkraftwerk für die Stromversorgung ihrer Bürger. Das Gießenbach-Kraftwerk am Fuße und Eingang des engen Tales der Klamm wurde 1910 in Betrieb genommen. Hier liegt der Druck der anstehenden Wassersäulen an, die ihren Ursprung im ca. 400 m entfernten Stausee finden. Der Wasserfluss des Gießenbach wird dort unterhalb der Schopper Alm durch einen konisch gekrümmten Staudamm gehindert und bildet hier einen idyllischen See. Von der Staumauer am oberen Rand der Schlucht verläuft an südlicher Hanglage ein horizontal verlegtes 300 m langes Eisenrohr, welches bis zum so genannten Wasserschloss führt. An diesem Zuflussventil knickt die Leitung schräg nach unten ab. Dieses Druckrohr führt das Wasser der Turbine dem tiefer gelegenen Kraftwerksgebäude zu. Das Rohr verläuft über weite Strecken in Steilhanglage und ist durch Stahlbeton Fundamente bis tief in den Grund der Klamm abgestützt. Ummantelt ist es mit einer Einhausung aus Beton, die einen Weg entlang der steilen Felswand bildet. Heute wird dieser spektakuläre Pfad nicht nur von Wartungsteams genutzt, er zählt auch zu den beliebtesten Wanderrouten in der Ferienregion Kaiser-Reich um Kiefersfelden.

Der Projektansatz
Die Gießenbachklamm wird durch Licht und Klang so gestaltet, dass sich neue Blickwinkel und Einsichten in Geschichte, Eigenwilligkeit und Schönheit des Ortes ergeben. Für Einheimische, denen der Ort wohl vertraut ist und für Besucher aus aller Welt wird in der Dämmerung und in der Dunkelheit ein Kunstwerk begehbar und der Ort neu erlebbar. Die audiovisuelle Installation verwandelt die Natur zu einem temporären, begehbaren Landschaftsgemälde. Allerdings hatten die Altvorderer, die die Unergründlichkeit der Natur einst zum Kunstwerk erhoben, keine Klangkomponente.
Mit dem Projekt wird das 100-jährige Jubiläum des Gießbachklamm - Kraftwerks und des - Weges begangen. Was für die Erbauer des Wasserkraftwerks noch eine Selbstverständlichkeit darstellte, ist heute eine viel diskutierte Besonderheit dieser Art der Energiegewinnung. Wir sprechen von regenerativen Energien, einer Energiegewinnung aus Resourcen, die sich nicht erschöpfen. Das Mühlrad im Tal wird sich noch hunderte von Jahren drehen können, mit entsprechender Pflege durch die Menschen, und die Natur wird keinerlei Einbußen dadurch erleiden.Diese Symbiose aus "wilder" Natur und Eingriffen durch die Menschen - indem der Weg geschlagen wurde, indem das Kraftwerk mit Staudamm und damit künstlichem See am oberen Ende angelegt wurden - lenkt die Gestaltung. Das begehbare Licht- und Klanggemälde, welches hier entsteht gehört in die Tradition der Landschaftsmalerei, allein unser Umgang und damit unser Blick auf die Natur haben sich verändert.
Der Parcour aus vielen Stationen an den neuralgischen Punkten trägt der Besonderheit des Ortes Rechnung: Beim Austreten des Wassers aus dem Berg entfaltet sich Dynamik, um den See entsteht in zarten Tönen verwunschene Stille, die Staumauer, ein dramatischer Einschnitt, ergibt eine ideale Projektionsfläche, die technischen Konstruktionen am unteren See lassen ein lineares Bild rationaler Klarheit entstehen, ganz im Gegensatz zum Punkt des tiefsten Einschnittes der Klamm, wo sie uns am natürlichsten erscheinen mag. Dort wird der Höhepunkt des Weges sein und der Begeher entsprechend umfangen und durch Licht und Klang verzaubert.
Eine wichtige Station stellt das Haus mit den Turninen dar, wobei die Madonna in ihrer Blickführung die Verbindung zwischen der technischen Energie als Menschenwerk und den ewigen Resourcen, aus denen das Menschlein schöpft, herstellt.Mit zurückhaltenden Stationen, wo etwa der Fluss durch seine Führung ein besonderes Murmeln entfaltet nimmt die Arbeit des Künstlers Bezug darauf, entwickelt sich der Lichtweg bis zur Mühle - dem dynamischen, furiosen Auftakt und Ende zugleich.
Diese Kurzbeschreibung ist nun dem Verlauf des Wassers gefolgt.
Tatsächlich werden die Mehrzahl der Besucher den Weg am Wasserrad beginnen. Auch diesem gegenläufigen Aspekt trägt die Arbeit Rechnung.


Exkurs
Entdeckung der Landschaft als Sujet
Die Natur in ihrer unkultivierten Wildheit sehen wir heute als etwas Besonderes an. Es reizt und befriedigt das Gemüt zugleich die unbezwingbare Kraft des Wassers in seinem Rauschen zu hören oder die tiefe Schlucht zu sehen, die dieser weiche Stoff in den harten Stein über Jahrhunderte gegraben hat. An den pitoresken Formen, die Felsen und Bäume hervorbringen kann man sich kaum satt sehen.
Das war jedoch nicht immer so. Mit dem beginnenden 19. Jahrhundert setzt auch das genießende Interesse an der freien Natur ein. Freilich waren es zunächst die Künstler, die, durchaus vom Normalbürger belächelt, hinauszogen, um sich den Inspirationen des Naturschauspiels hinzugeben. Nicht ganz uneigennützig taten sie das. Denn diese Künstler aus dem so genannten Landschaftsfach, das niederste der
Kunstfächer überhaupt, wollten in ihrer Malerei keine historischen Themen mehr verewigen, sie wollten einzigartige, zuvor nie gemalte Situationen der Natur in ihre Bilder bringen. Das war die Abkehr von der Bilderzählung und die Abkehr vom moralischen, belehrenden Inhalt eines Bildes.
Neben der französischen Entwicklung um die Maler von Barbizon, die als Vorbereiter des Impressionismus gelten, erneute sich Bild und Kunst in Oberbayern. Die oberbayerischen Landschaftsmaler der Biedermeierzeit sind es, die die Bildrevolution vorantreiben. Dominiert bei den Brüdern Kobell ganz am Anfang des Jahrhunderts noch die klassizistische Strenge so zeigt der Vergleich mit Zeichnungen von
Carl Spitzweg, C.F. Waldmüller oder Heinrich Bürkel in den 1830er Jahren wie rasant sich der offene gestische Strich entwickelt hat, wie wichtig den Zeichnern die natürliche Atmosphäre vor Ort geworden ist. Um die bizarren Konstellationen von Felsen, Wasser und Unterholz einzufangen, scheuten die Künstler keine noch so beschwerliche Wanderung. Zum Teil mit Esel oder Pferd, dann zu Fuß und „kraxelnd“ mussten die Motive erarbeitet werden. Was heute als traditionelle Kunst gilt, war dereinst die Avantgarde. Neben dem Naturerlebnis im Gegensatz zum idealischen Formenkanon werden erstmals niedere Tätigkeiten, wie die der Köhler, oder die zeitgenössischen Industriegebäude, wie eine Wassermühle, im Bild festgehalten. Wir sagen heute dazu „wild-romantisch“. Für die Zeitgenossen war es die Aufnahme einer Situation, etwa einem Supermarkt auf dem Bild vergleichbar.

Heinrich Bürkel
Gebirgslandschaft mit Bach, um 1830
Öl auf Papier auf Malkarton
Quelle: Bürkel Galerie Pirmasens
Gerade weil die Landschaftsmalerei einen großartigen Siegeszug durch die Begeisterung des aufkommenden und aufsteigenden Bürgertums im Laufe des 19. Jahrhunderts feiern konnte, wurden ihre Sujets so abgenutzt. Im 20. Jahrhundert ging das Verständnis um das Frische und revolutionär Neue, was sich hier ereignet hatte verloren.
Die nächste Generation, die das Voralpenland zum Kunstmekka erhoben hatte, waren die Maler des Blauen Reiter um Wassily Kandinsky und Franz Marc. Aber am Anfang des 20. Jahrhunderts dominiert nicht mehr die Eigensprache der Natur sondern die eigenwillige Umsetzung in Farbe. Deshalb zogen Marc und Münter und Werefkin über die freien Flächen des hügeligen Voralpenlandes und nicht in die Schluchten und
Wälder. Bis heute ist das Landschaftsfach schwierig geblieben, weshalb sich viele Künstler mit abstrahierender Verfremdung helfen.

Malerei und Installationskunst
Was geschieht nun bei einer Arbeit nicht mit Ölfarbe und Leinwand oder Bleistift und Papier, sondern mit Licht und Natur?
Die Natur selber wird zum Bildträger; sie wird nicht abgebildet in einem anderen Medium, und doch erscheint sie als Kunstwerk, erscheint der alltäglichen Wahrnehmung entrückt. Sie erscheint im wahrsten Sinne des Wortes in neuem Licht.
Vom Menschen eingebrachte Gestaltung geht eine Symbiose mit der "realen" Natur ein. Die Zeichnung, der Raum, die Substanz der Natur werden überformt, interpretiert, verwandelt. Es wird das Eine ans Licht gehoben, wo das Andere in Dunkelheit versinkt. Durch die spezifisch eigene Art und Weise von Ingo Bracke mit Lichtlinien das Vorgefundene zu konfrontieren entstehen neue Bilder, Lichtzeichnungen im Raum. Im Reflex auf die Geschichte, auf die künstlerische und kunsthistorische Besonderheit der Umgebung, arbeitet Ingo Bracke mit den Zeichnungen oberbayrischer Landschaftsmaler, insbesondere mit Werken von Heinrich Bürkel (1802-1869) und zeitgenössischen Textauszügen zum Thema, die bei den Stationen entlang des Weges vor erreichen des Kraftwerks auf Lesepultstehlen präsentiert werden.
Im 21. Jahrhundert könnte es wieder heißen „zurück zur Natur“. Deshalb gibt es bei diesem Werk kein „Gegenüber“ für einen Betrachter, sondern nur ein Eintauchen, ein Eingehen in die Installation und zwar vom Wasserrad der Mühle im Tal bis zum Wasseraustritt aus dem Berg an der Schopperalm. Einerseits den Vorfahren verpflichtet: nur großer körperlicher Einsatz führte für die Künstler der ersten Hälfte des 19.
Jahrhunderts zum gewünschten Ergebnis und der Respekt der Künstler vor der Natur lehrt uns schauen. Andererseits durch die Auflösung des gewohnten Bildes und die Erweiterung zur Raumgestaltung mit den Mitteln unserer Zeit ein Werk des 21. Jahrhunderts.
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